300. Todestag Carl Hildebrand von Canstein

Am 19.8. ist der 300. Todestages des Berliners Carl Hildebrand von Canstein. Er lebte im Nikolaiviertel, war Mäzen, Pietist, Jurist …  Was machte ihn aus? Wie kam es dazu, dass er die erste Bibelgesellschaft der Welt mitinitiierte?

Artikel anlässlich des Todestag:
Der Bibelverbreiter, Christoph Markschies, in: Dir Kirche, 1. Sept. 2019
Der kleine Luther – Freiherr Carl Hildebrand von Canstein, Thomas Klatt, evangelisch.de

Videoreihe: Cansteins Leben

Mit kurzen Videos sollen kleine Einblicke in sein Leben geben werden.

Wer war Canstein?

Carl Hildebrand Freiherr von Canstein wurde 1667 in Lindenberg in der Mark Brandenburg geboren.

Sein Vater Raban stand im Dienste des brandenburgischen Kurfürsten und so schlug auch Canstein nach seinem Studium eine Laufbahn am Hof ein. Zum Pietismus durch Philipp Jacob Spener gefunden widerstrebte ihm der exzentrische Lebensstil am Hof zu tiefst. Um 1694 kehrt er dem höfischen Dienst den Rücken und zieht sich ins Private zurück, um sein Leben der Frage nach Gott zu widmen. Durch die Freundschaft zu August Hermann Francke sieht Canstein die Möglichkeit seiner Gottessuche Ausdruck zu verleihen. Er spendet fast sein gesamtes Vermögen der Stiftung in Halle und steht ihr beratend zur Seite. Durch seine Spenden und Kontakte ist es möglich, 1710 die erste Bibelanstalt der Welt zu gründen.

Sophia von Krosigk heiratet ihn 1707. Sie unterstützte ihn in seinen Unternehmen. Kurz vor Canstein stirbt sie im Jahr 1718.

Was machte sich Canstein zur Lebensaufgabe?

Die Franckeschen Stiftungen in Halle wurden von August Hermann Francke gegründet. Sie stehen nicht nur für Pietismus, sondern für Bildung und soziale Ausrichtung. Fragen, wie die Kindersterblichkeit in Waisenhäusern drastisch gesenkt werden kann, wie Kindern aus armen Familien Bildung erhalten können, prägten die Ausgestaltung und führten zu innovativen Konzepten.

Für Canstein wurden die Stiftungen zur Lebensaufgabe. Er hatten in den späten 1690er Jahren Francke kennengelernt. Seitdem verging kaum ein Tag, an dem die beiden nicht aneinander schrieben. Es entstand eine lebenslange Freundschaft. Neben seinen Tätigkeiten als Spender übernahm Canstein die diplomatischen Geschicke der Anstalt am Hof, brachte seine adeligen Beziehungen gekonnt ein, um die Interessen Franckes umzusetzen. 1710 waren die Pläne weit genug vorangeschritten, um die Gründung der ersten Bibelanstalt der Welt zu verwirklichen. Canstein legte in seinem Testament fest, dass seine Erbschaft der Stiftung und Anstalt zu Gute kommen sollte. Für ihn stand das Gelingen seiner Visionen an erster Stelle.

Bis heute bestehen die Stiftungen als moderner Bildungskosmos. www.francke-halle.de Auch die Bibelgesellschaft der Ev. Kirche in Mitteldutschland ist auf dem Gelände www.bibelwerk-ekm.de

Wo lebte Canstein?

Canstein verbrachte den Großteil seines Lebens in Berlin. Dort lebte er im Nikolaiviertel. Sein Lehrer und Freund Philipp Jacob Spener wohnte direkt um die Ecke. Nach Cansteins Rückzug aus den öffentlichen Ämtern, verbrachte er viel Zeit mit dem Studium der Theologie. Er schaffte sich Stück für Stück eine theologische Bibliothek an, die ihresgleichen fast nur in Universitäten fand. Seine theologische Arbeit spiegelt sich unteranderem in dem 2.000 Seiten dicken Exemplar „Harmonie und Auslegung der vier Evangelisten“ wider.

Cansteins und die Bibelanstalt

Trotz Reformation hatten lange nur wenig Menschen Zugang zur heiligen Schrift und damit zu einem selbstbestimmten Glauben. Der Druck war teuer und aufwendig. Nur wenige Menschen konnten lesen. Die Armenschule und das Waisenhaus in der Franckeschen Stiftung trugen dazu bei, dass auch arme Menschen Bildung erhielten und lesen lernten. Mit der Gründung der Bibelanstalt in der Stiftung konnten preiswerte Bibel gedruckt werden. Möglich war das durch hohe Spenden Cansteins und die anderer Adeliger. Mit ihrer Hilfe konnte so viel Blei angeschafft werden, dass es möglich war, einen „stehenden Satz“ der Bibel herzustellen. Die Verbreitung der Schrift erreicht damit nach der Reformation ihren zweiten Höhepunkt. Wurden von 1534-1626 ca. 200.000 Bibeln gedruckt, so wurden von 1712-1812 ca. 2 Mio Bibeln gedruckt.

Erst nach Cansteins Tod wird die Anstalt nach ihm benannt. Canstein selbst hatte kein Bedürfnis nach öffentlicher Sichtbarkeit.

Die heutigen Bibelgesellschaften in Halle, Westfalen und Berlin gehen auf diese erste Bibelgesellschaft zurück und tragen Canstein im Namen.

www.bibelwerk-ekm.de, www.amd-westfalen.de/hoeren-entdecken/von-cansteinsche-bibelanstalt/, www.canstein-berlin.de

zum 300. Todestag von Canstein

Während seines Dienstes beim Militär erkrankte Canstein zum ersten Mal an der roten Ruhr. Diese war oft ein Todesurteil und so fleht Canstein Gott um Hilfe an. Er schwur bei Errettung eine Ausrichtung seines ganzen Lebens auf Gott. Canstein wird gesund und hält Wort. Er beginnt ein Leben, in dem die Frage nach Gott im Mittelpunkt steht. Canstein sah seine Aufgabe in der Arbeit mit August Hermann Franke und investiert Vermögen und Zeit in die Franckesche Stiftung. Fast zwanzig Jahre später erkrankt er wieder an der roten Ruhr und stirbt im Beisein Frankes am 19.8.1719. Er wird in der Marienkirche beigesetzt.

Anlässlich des 300. Todestages veranstalten die Cansteinschen Bibelanstalten und die Theologische Falultät der HU einen Studientag am Samstag, d. 2. November 2019. Näheres hier.

Facebooktwitter