Minecraftgottesdienst zu Ostern

Am Ostersonntag gab es den ersten Minecraft-Oster-Gottesdienst.

Die Kirche
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Gemeinsam von zuhause wurde gespielt, gebaut, gebetet und die Auferstehung Jesu gefeiert. Ca. 400 Menschen kam zusammen, einige kamen als Spieler auf den Server, andere schauten bei Youtube oder Twitch den Stream.

BEST OF des Ostergottesdienstes

Hier ein Einblick in das Geschehen von Dr. Nicole Chibici-Revneanu vom Bibelzentrum Barth:

„Ostersonntag, kurz vor elf: Die Kirche füllt sich. Immer mehr Leute kommen zum Gottesdienst, manche sehr extravagant gekleidet – bis hin zum Leopardenanzug. Ich laufe ein wenig auf und ab und suche, ob ich hier auch jemand Bekannten treffe. Dabei merke ich, wie sich eine ganz spezielle Osterfreude in mir ausbreitet: Es ist Ostersonntag 2020 und ich bin tatsächlich in einer Kirche. Mit anderen Leuten! Dabei geht das doch eigentlich gerade gar nicht.

Aber hier geht es. Ich bin nämlich bei einem Minecraft-Gottesdienst. Dass die Spielfiguren (Skins) hier zum Teil ganz aberwitzig aussehen, gehört dazu. Bevor es losgeht, darf man sich eine Tafel nehmen und Namen und Wohnort draufschreiben. Viele Berliner sind da, und Leute aus allen möglichen Orten, von denen ich zum Teil noch nie gehört habe. Und, tatsächlich: Auch noch jemand aus meiner Stadt. Schön!

Diese Gottesdienstgemeinde sitzt nicht andächtig in den Bänken, bis es losgeht. Ganz im Gegenteil: Hier wird durch einen Parcours gelaufen und gesprungen – und natürlich die Kirche erforscht. Aufgeregte Betriebsamkeit. Gleich geht es los.

Aber bevor es losgeht, fliegen wir erst mal alle aus dem Spiel. Irgendwas ist hier technisch schiefgegangen. Zum Glück habe ich auch den Twitch-Stream laufen und erfahre, dass es nicht nur mir so geht. Das kann schon noch werden. Und tatsächlich: Wir kommen wieder ins Spiel, langsam finden sich alle wieder in der Kirche ein und der Gottesdienst beginnt. Begrüßung, Ansagen, alles wie immer. Oder doch nicht so wie immer, denn jetzt sollen wir alle durch ein grünes Portal laufen – und finden uns auf der anderen Seite des Portals in einer anderen Welt wieder. Ungefähr 30 n.Chr., kurz vor Jerusalem. Eine sandige Landschaft breitet sich vor mir aus. Wohin jetzt?

So wie Jesus auf einem Esel nach Jerusalem geritten ist, darf sich jetzt jeder einen Esel von der Koppel holen und auf ihm in Richtung Stadttor reiten. Das sieht klasse aus! Und während wir in die Stadt und durch ihre Straßen reiten, entstehen links und rechts Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu. Die Hosianna-Rufe, das Abendmahl. Mit Text, in kurzen, gut verständlichen Sätzen. Im Garten Getsemane machen wir alle Pause. Hier hat Jesus gebetet, und wir dürfen auch beten. Wieder gibt es Tafeln für alle, die etwas aufschreiben wollen, und ich lese: „Mach, dass Corona weggeht.“ – „Pass auf die Kranken auf.“ – „Mach dem Tierleid ein Ende“ – „Segne alle, die hier mitspielen.“ 

Wir reiten weiter. Vorbei an einem Hügel mit drei Kreuzen, bis an ein Grab, das von einem riesigen Stein versperrt ist. Steht in der Bibel, dass der Stein vom Grab weggerollt wurde? Ich bin mir nicht sicher. Hier geht es jedenfalls anders: Vor dem Grab stehen Truhen mit Spitzhacken bereit, und einige Gottesdienstbesucher sind schon fleißig dabei, den Stein vom Grab wegzuhacken.

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht mit der Auferstehung. So wie Jesus gegen den Tod gekämpft und ihn besiegt hat, steht nun für uns auch ein Kampf an – gegen einen großen Drachen. Es gibt Diamantrüstungen für alle, und dann wird gekämpft. Eine ganze Weile. Das geht nicht ohne Verluste ab, und ich hoffe, dass alle, die jetzt im Spiel „fallen“, wieder reinkommen können. Eigenwillige Osterfragen! Aber während ich noch überlege und im Chat nach den Namen Ausschau halte, ist es offenbar geschafft: Jesus kam zur Hilfe! Der Drache ist besiegt! Und in genauso knackigen, treffenden Sätzen wie vorher erfahre ich, was das mit dem Sieg Jesu über den Tod zu tun hat. 

Dann sind wir zurück in der Kirche. Und wir beten noch einmal. Diesmal gemeinsam, das Vater Unser. Ich spreche es vor dem Bildschirm und sehe, wie es viele andere gleichzeitig in den Chat schreiben. Dann: „Amen! Amen. Amen. Amen.“ Und Segen. Und die Einladung, heute um 18 Uhr bei einer weiteren Minecraft-Aktion noch einmal mitzubauen. Ob ich da wieder dabei sein werde, weiß ich noch nicht. Aber ich gehe ganz beschwingt und osterfroh aus diesem genial-chaotischen Gottesdienst. Der Geist Gottes weht, wo er will – und ich fühle mich gerade so richtig gut durchgepustet. Amen!“

Teaser 2 für den Gottesdienst zu Ostern
Teaser 1 für den Gottesdienst zu Ostern

Der Gottesdienst wurde bei youtube und twitch gestreamt. So konnten viele dabei sein, auch ohne Minecraftaccount.

https://www.twitch.tv/ecclesiadigitale

vollständiger Oster-Stream bei youtube

Nun planen wir einen Gottesdienst zu Pfingsten. Ihr könnt uns gerne bei der Vorbereitung helfen, wir brauchen noch Unterstüzung! Für Unterstützung oder Fragen: mareike.witt(at)canstein-berlin.de, 0178 923 88 04

Unser Angebot gibt es auch für zuhause. Auf unserem online-Server kann jederzeit in Minecraft gebaut werden oder unser Psalm 23 Parkour durchlaufen werden. Allein oder in Gruppen ist das rund um die Uhr möglich. Ein besonderes Projekt ist der Nachbau von 100 Orten aus der Apostelgeschichte in einer authentischen Israel-Landschaft.

Alle Online-Angebote finden sich hier

Wie komme ich auf den Server?